It's way to late being eifersüchtig. Erstmals in meinem Leben entdecke ich eine wirklich eifersüchtige Seite an mir. Ich vermute, daß ich als Kleinkind auch schon eifersüchtig war. Da gibt es noch diese vagen Erinnerungsblitze, die das Bilderbuch in meinem Kopf in den Kindergarten zurückführen. Damals hatten wir dort eine Art Spielzeugraum, eine große Abstellkammer, in der tolle, quantitativ begrenzte Spielzeuge lagerten. Aber eben nicht Allerweltsspielzeuge. Nein, richtig coole Kinderspielsachen. Lenkräder von alten LKWs zum Beispiel, Krimskrams der besonderen Art. Der Raum war meistens abgeschlossen. Nur an Sommertagen, wenn man dann im Hof des Kindergartens spielen konnte, wurde er von einer der Kindergärtnerinnen aufgeschlossen, und dann war Rabatz. Wer zuerst kam, lenkte zuerst, und ich kam meistens zuletzt, weil ich eher damit beschäftigt war, meine Haare abzuschneiden und mit Pattex auf Papier zu kleben. Kleinkindkunst und so. Und dann war ich eifersüchtig auf die anderen Kinder, weil ich eben auch mit so einem Lenkrad spielen wollte, aber nicht konnte, da die Zeitspanne der Coole-Spielsachen-Ausgabe meistens jene Zeitspanne war, in der ich von meiner Lieblingskindergärtnerin darüber aufgeklärt wurde, was man mit Bastelscheere, Pattex und Haare alles nicht machen darf.

Ein gutes Vierteljahrhundert später ertappe ich mich wieder dabei, eifersüchtig zu sein. Diesmal hat es weder was mit Lenkrädern, noch mit Spielzeugen im allgemeinen zu tun. Gut, chauvinistisch betrachtet vielleicht im entfernten Sinne, aber auch nicht wirklich. Eher Beziehungseifersuchtskleinkram. Die vermeintlich reife Seite in mir praktiziert ganz Kindergätnerinnenlike Erklärungsversuche in Richtung Kleinkindseite, um die Blödsinnigkeit dieser Eifersucht zu erörtern. Und die eifersüchtige, kindliche Seite sieht sich völlig im Recht, was wiederum zu einem inneren Konflikt der besonderen Art führt. Man wankt im sekundentakt zwischen Vernunft und Boahwasbinichaberjetztbesorgt. In solchen Momenten vermisse ich sowas wie ein Erfahrungskompendium in Sachen Eifersucht, eine innnere Nachschlaginstanz, die mir sagt, was ich nicht denken soll. (Im Zweifelsfall hilft Alkohol - aber wer will denn Vormittags schon mit dem Zeug anfangen?).

Ich denke, es wird das Beste sein, heute zum Frisur zu gehen, sich die abgeschnittenen Haare geben zu lassen, und den ganzen Kram auf Papier zu kleben. Anders komm ich da gerade nicht durch...
 

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