An einer Ampel stehen, und in einem Anfall von absoluter Begeisterung Ballerinafußhaltungen nachmachen. Völlig albern, aber für den einen Moment laß ich jederzeit alles stehen und liegen.

BEI SOWAS an achter Stelle zu landen, kann anregend sein. Zumindest für mein zerlöcherstes, in Rotwein eingelegtes, nikotingelbes Hirn. Da will also jemand Sex haben, egal mit wem. Und das gleich 12 bis 14 mal. (Wofür die Zahlangabe sonst noch stehen könnte, will ich jetzt besser nicht hinterfragen...!)

Ich erinnere mich, gegen Ende meiner von wilden Phantasien, wie beispielsweise sich paarenden Wasserskifahrerinnen, geprägten Pubertät auch unbedingt endlich mal Sex gehabt haben zu wollen. Aber nie, und ich betone "nie" hier ungefähr so wie "Umhimmelswillen!!!", also nie "mit egal wem". Wo kämen wir denn da hin? Und wer hätte sich damals wohl alles angeboten? Die attraktive Englischlehrerin? Die Mädchen aus der Oberstufe? Nein, mit Sicherheit nicht. Wie sollte also Google, der virtuelle Ratgeber für Fragen, die man sich sonst nicht stellen mag, Antwort wissen, wenn selbst die Realität sich verweigert?

"Sex haben wollen mit egal wem" läßt auf einen wirklich desolaten Zustand schliessen. Welch einsamer Charakter sich hinter solch einer perfiden Suchanfrage verbirgt, will sich mir im Moment nicht erschliessen, denn die Vorstellung wäre eine Ansammlung von Klischees wie: Nur einmal die Woche Duschen, Mikrowellenfastfood, dicke Brillengläser, Akne, und Kuscheltiere mit eingenähten Geschlechtsmerkmalen. Ja, richtig gesehen, auch sowas gibt's!

Wieso wird sowas eigentlich immer bei mir gesucht? Das ist doch hier kein Puff?

Als der Schöpfer irgendwann mal in einem Anfall von Einfallslosigkeit oder blankem Zynismus diese Stadt hier hin sch(m)iss, hatte er wohl nicht bedacht, daß es auch Menschen geben würde, die seinen kleinen "Unfall" ernst nehmen könnten.

Oh doch, die gibt's. Die tummeln sich im Nebenbüro rum, und machen Tag ein Tag aus nichts anderes, als sich in Einfallslosigkeit zu winden. Dem Schöpfer also (oder wer auch immer für Orte wie diesen zuständig ist), diesbezüglich gar nicht so unähnlich, schlängeln sich ein paar selbstverliebte Medienplanungsprimimäuse und ihr hyperaktiver "Chef" durch die Geschehnisse dieser Stadt, und arbeiten dabei so zielgerichtet am Thema und am Interesse des Lesers (sofern es denn beides in diesem Zusammenhang überhaupt geben kann) vorbei, daß selbst Choleriker wie ich jedesmal mucksmäusschenstill werden, wenn Sie die Startseite ansurfen.

Justyna läßt die Hüllen fallen! stand da heute Morgen. Nicht, daß die Headline mich nicht irgendwie gereizt hätte, auch wenn mein Bedarf an gefallenen Hüllen im wahren Leben glücklicherweise voll und ganz befriedigt wird. Aber wenn dieses total unkritische, aus lauter Rechtschreibfehlern, schlecht zusammengezimmerten Fragebögen und völlig uninspirierten Themen verbastelte, "meistbesuchte" Onlineportal dieser Stadt plötzlich mit Nacktfotos der hauseigenen Praktikantinnen wirbt, wird mir der Kaffee schon im Mund schlecht. Justyna läßt natürlich keine Hüllen fallen, sie posiert nur ganz bildzeitungsgerecht in eindeutigen Posen, windet sich ganz professionell und bauchfrei um die büroeigene Vorgartenbirke, oder was auch immer das für ein morscher Ast ist, an dem sie sich räkelt. ("Räkeln tut" hätten die Redakteure des Magazins geschrieben, aber ich bin ja keiner von denen!).

Und warum die ganze Aufregung? Leserfang! Statt mit Inhalten aufzuwarten, statt endlich mal einen Meinungsbildungsprozeß zu den Dingen ins Leben zu rufen, die hier eben nicht sind, statt endlich mal "intelligent" zu werden, macht sich ein hormongetriebener Inszenierungsprozeß auf, sich mit der rechten Hand an den antiquierten Werbeformeln der 80er abzuarbeiten. Sex sells! Auch in der Provinz. Und am liebsten mit der kleinen Praktikantin, die aussieht wie eine wasserstoffgebleichte Linda Blair, und die sich für sowas auch bestimmt nicht zu schade ist.

Aber wenigstens ist man offen für Kritik. Die Leserbriefe beweisen es. Da schreibt ein Herr U.v.S.: "Was soll der Scheiß?", und jemand, der mir sogar bekannt ist, tituliert das ganze mit "unsexy". Recht haben sie alle beide.

Dennoch: Gute Selbstinszenierung sieht einfach anders aus. Aber was will man von "Redakteuren" erwarten, die in einem Anfall von koffeinbedingter Genialität eine Rubrik namens "Lebewesen" in die Navigationsleiste packen. Als Ankerpunkt für Männer, Frauen, Tiere und Bäume dieser Stadt. Haha.

 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma