Es sollte die letzte Schachtel Filterzigaretten vor dem endgültigen Umstieg auf den geldbörsenfreundlicheren Tabak sein. Wahrscheinlich somit auch der erste Schritt Richtung ganz aufhören. Also vier Euro zusammengkratzt, zum Automat getapert, mit einer kleinen Träne im Auge. Vier Euro reingeschmissen. Marke der Wahl gedrückt. JACKPOT! 2 Schachteln plus vier Euro im Wechselgeldmünzschacht. Merke auf: Auch Zigarettenautomaten sind nicht perfekt, und das Schicksal ist manchmal ein gönnender Kumpel...

Ich starre entsetzt auf meine ungeschnittenen Fingernägel, und stelle fest: Ich bin sowas von unperfekt. Ich weiß nicht, ob gleichaltrige Kinder perfekter sind als ich, aber das, was ich sehe, wenn ich mich fühle, oder eher das was ich fühle, wenn ich mich sehe, empfinde ich als unperfekt. Vielleicht ist unperfekt auch der falsche Ausdruck, denn Perfektion gibt es meiner Ansicht nach nicht. Perfektion ist sicherlich eine Art undefinierbare Ideologie, nach der man streben kann, aber sie bleibt unerreichbar. Da sie nicht Existent ist.

Wie perfekt ist man, wenn man als Kleinkind die heißgeliebte Schildkröte in den Backofen gesteckt hat, fest im Glauben ihr sei kalt? Wie perfekt ist man, wenn man als kleiner Junge Ziegenscheisse gefressen hat, weil man dachte, dass seien Bonbons? Wie perfekt ist man als Jugendlicher, wenn man sich tagtäglich von seinen Eltern ohne jedwede Gegenwehr einreden läßt, man sei ein verkommener Sohn? Und wie perfekt ist man dann als Erwachsener, wenn man glaubt, alle Probleme lösten sich irgendwie von selbst? Und wenn man dann mit dieser völlig geistlosen Einstellung auch noch die Überbleibsel von Kindheit und Jugend mit sich rumschleppt?

Denken wie ein Vierzigjähriger, Aussehen wie ein Endzwanziger, Handeln wie ein Achtzehnjähriger und fühlen wie ein Kleinkind. Eine bunte Mischung aus Fehlern, die man tagtäglich in seiner Westentasche mitführt, fest in der Annahme das sei jetzt die Reife, die sich allmählich bemerkbar macht, und nicht etwa noch der diffuse Prozeß des langsam Erwachsenwerdens und nicht wissen wohin mit sich selbst. Und selbst das Umfeld vermischt sich in der Mischung. Alles bunt, alles wild, alles unberechenbar, und fernab von Perfekt.

Gerade im Moment empfinde ich die Mischung aus pflanzlichen Uppern und einem Glas Sekt als perfekt. Dafür aber alles andere nicht. Höchstens die Erkenntnis: Es gibt immer etwas besseres als Perfektion. Spätestens dann, wenn die Entwicklung voranschreitet. Oder die Wirkung nachlässt.

SAMUEL JACKSON MODUS ON

Und bevor dieser Tag meint, mich schon wieder genauso in den Arsch treten zu können wie der gestrige, begrüße ich ihn rein präventiv mit einem herzlichen FUCK YOU!

SAMUEL JACKSON MODUS OFF

 

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